Sven der Vinylpfleger – Das Monster Records Feature

Da uns die hiesige lokale Musikszene bekanntlich sehr am Herzen liegt, möchten wir euch hier hin und wieder interessante Persönlichkeiten, Läden, Labels, Locations oder Veranstalter vorstellen. Dieses Mal haben wir für euch ein Feature, das auch Vinyl-Liebhaber außerhalb Hannover interessieren dürfte. Obwohl Sven Jürgens seit sechs Jahren mit seinem Plattenladen Monster Records in der Oeltzenstraße 1 in 30169 Hannover ansässig ist, ist sein Sortiment auch online bei Discogs erhältlich. Es kann sich hier also jeder ein Bild von Sven und seinem Baby Monster Records machen und auch online bestellen.

Kürzlich hat Sven sein sechsjähriges Bestehen gefeiert. Er hat eine lange Geschichte hinter sich, die im Landkreis Celle ihren Anfang nimmt. Seit 1995 in Hannovers Nordstadt lebend, ging er damals aus Celle zuerst nach München. Er wollte danach eigentlich wegen eines Jobangebotes weiter nach Hamburg, aber laut eigener Aussage waren die Mieten damals schon so übertrieben hoch, dass er also in Hannover hängengeblieben ist. Er hat damals glücklicherweise gleich die richtigen Leute kennengelernt, was seiner Meinung nach auch immer entscheidend ist, wenn man in eine neue Stadt kommt. „Mit seinen Arbeitskollegen landet man dann doch eher im Brauhaus oder du lernst jemanden kennen, der auch mal in die Korn oder ins Heinz geht.“ so Sven. Er fühlt sich also seit mehr als 23 Jahren sauwohl hier und will auch gar nicht mehr weg aus der Nordstadt. Anfangs hat er in Linden gewohnt, aber das wurde ihm „zu turbulent“, als die Leute anfingen zu limmern.

Für eine eigene Band ist keine Zeit

Auf die Frage, ob er denn in einer Band spielt oder gespielt hat, antwortet er: „Ja, früher mal. Ich spiele Schlagzeug, Trompete, Klarinette und ein bißchen Bass. Nebenbei spiele ich etwas Gitarre, die steht hier im Laden in der Ecke und hin und wieder klimpere ich etwas drauf rum.“ Trompete und Klarinette hat er damals in einer Musikschule gelernt, den Rest hat er sich autodidaktisch beigebracht. Das Schlagzeug, das in seinem Keller steht, wird nun von seinem Sohn gespielt. „Ich will mich eigentlich mal dazu bringen, jeden Tag eine halbe Stunde zu üben, aber irgendwie kommt man doch nicht dazu.“ sagt Sven. Seit er den Laden in der Calenberger Neustadt und eine Familie hat, ist dafür schon lange keine Zeit mehr. Sven arbeitet seit zehn Jahren hauptberuflich im Krankenhaus als Krankenpfleger und dort ausschließlich im Nachtdienst.

Punkrock und Hardcore ist mein Ding

Das Sortiment seines Plattenladens ist, wie ich finde, ausgesprochen gut aufgestellt und sortiert. Von Punkrock und Hardcore, über Indie, Funk, Soul, HipHop, Metal und sogar alten Krautrock Sachen, findet man hier mehr Neuware als Gebrauchtes. Sven kauft aber auch oft gebrauchte Platten an, sucht sich dabei aber nur raus, was ihm selbst gefällt. Am Anfang hat er ausschließlich eingekauft, was ihm gefiel – hauptsächlich Punkrock und Hardcore, weil er sich da ganz gut auskennt. „Das ist mein Ding“, sagt er.

Er hat früher auch viel HipHop und sogar etwas Elektronisches im Sortiment gehabt, aber das lief nicht so gut. „Da wirst du nur die Neuheiten und ein paar Klassiker los, der Rest bleibt stehen“, so Sven. Für die Älteren hat er noch einige 60er und 70er Jahre Sachen dazu geholt, diese werden sogar auch immer öfter von Jüngeren gekauft. „Die haben dann von Papa nen Plattenspieler bekommen, wo 30 Platten dabei waren. Krautrock oder ähnliches. Das gefällt ihnen dann doch ganz gut und sie wollen jetzt mehr davon haben“, lässt er uns wissen. Über die Jahre konnte sich Sven glücklicherweise einen festen Kundenstamm erarbeiten, da er sich auf sein Lieblingsgebiet spezialisiert hat.

Die Konzerte sind ein Selbstläufer

Die Plattenverkäufe sind aber nur ein Teil seiner Leidenschaft, denn mindestens genau so wichtig sind ihm die Konzerte, die er seit einiger Zeit bei Monster Records veranstaltet. „Die Konzerte sind ein Selbstläufer“, sagt er. Sven bekommt jede Woche ca. 2-3 neue Bewerbungen und kann sich aussuchen, was ihm gefällt. Alle Bands, die einmal bei ihm gespielt haben, wollen auch immer wiederkommen.

Hannoveraner Bands spielen oft ihre Releaseshows bei ihm, aber auch viele US-Bands machen während ihrer Touren Halt bei dem sympathischen Musikliebhaber und finden es cool, in einem Plattenladen spielen zu dürfen. „Die Amis kennen das von zu Hause. In Europa gibt es das kaum. Wenn, dann können sie mal irgendwo ein Akustik – Set spielen, aber Vollbrett gibt es selten in solchen Läden. Bei mir finden sie genau das“, erklärt er uns. Seine Nachbarn spielen da zum Glück gut mit. Auch wenn erst kürzlich einige Parteien im Haus gewechselt haben und neue Mieter eingezogen sind, hatte er mit Anwohnern bisher keine Probleme.

Kaffee, Kuchen und Punkrock

Die Konzerte finden etwa alle 14 Tage, meistens Freitags oder Samstags statt, mehr soll es voraussichtlich auch nicht werden. Er hatte auch schon zwei bis drei mal einen Sonntag zwischengeschoben. „Schön auf nem Sonntag Nachmittag mit Kaffee und Kuchen“, war die Anfrage einer Band. Sie wollten mal etwas anderes machen. Sven musste dabei ans Bei Chez Heinz denken. „Dort gab es früher diese Matinee Shows“, erinnert er sich. Bei ihm im Laden hat das auch gut funktioniert mit dem Kuchenbuffet.

Auf die Frage, wie lange er das alles noch machen möchte, antwortet er: „Solange das hier gut läuft, alles cool ist und keiner sich beschwert, mache ich das auch weiter. Vielleicht nochmal sechs Jahre, mal gucken“. Es würde ihn aber auch nicht wundern, wenn es im nächsten Jahr schon vorbei wäre. „Es ist ja doch schon ziemlich laut und es geht zu allen Seiten raus. Es brauch ja nur ein Mieter einziehen, der sich gestört fühlt und schon war’s das“.

Die Konzerte bei Monster Records sind immer gut gefüllt. „Es sind immer so 50 Leute da, der Raum ist dann proppenvoll“, sagt Sven. „Die Akustik ist auch sehr gut, wegen der hohen Decken und des Holzfußbodens. Wenn woanders 30-40 Leute auf nem Konzert sind, fühlt es sich leer an. Hier mit 50 Leuten kommt schon ordentlich was rüber. Die Bands wissen auch, jeder einzelne, der da steht, ist wegen uns hier“.

Ich mache das nur für mich

Mittlerweile hat Sven sich viel mit Veranstaltungstechnik beschäftigt. Er kann somit auch seine Konzerte selbst mischen und mit der richtigen Technik ausstatten. Allerdings macht er das, bis auf einige Ausnahmen, nur für sich selbst. Für die Nordstadtbraut am Engelbosteler Damm 87 verleiht er hin und wieder seine Anlage und mischt dann auch, wenn dort Konzerte sind. Die Nordstadtbraut legt er übrigens jedem ans Herz. Ein schöner kleiner Laden, wo hin und wieder kleinere Konzerte stattfinden und der durch seine angenehme Atmosphäre besticht.

Ansonsten arbeitet er nicht mit anderen Locations zusammen und veranstaltet seine Konzerte nur im eigenen Laden. Als Promoter oder Vermittler ist er nicht tätig. Hin und wieder arbeitet er allerdings mit zwei kleinen Promoagenturen in Hamburg und Berlin zusammen, die ihm Bands vorschlagen, die auf Tour sind und ihre Offdays füllen möchten. Meistens sind das dann Montage oder Dienstage. Das kommt aber nicht oft vor, da er sich hauptsächlich auf Donnerstag, Freitag und Samstag beschränken möchte.

Es geht nie etwas kaputt

Auf die Frage, welche Bands in der letzten Zeit bei ihm gespielt haben, berichtet er: „Neulich hatte ich zwei neue Hannover Bands hier. First Attempt, eine Oi Band. Die hatten ihren allerersten Auftritt bei mir, vorher hatten sie nur im Proberaum gespielt. Dann unter anderem die Hannover Deutschpunk Band The Sewer Rats. Die hatten schon einige Auftritte, sind aber auch noch sehr neu. Die haben dann am frühen Abend angefangen und später haben noch Jukebox Romantics aus New York gespielt.

An dem Abend wurde auch fast bis Mitternacht gefeiert. Normalerweise sollte immer zwischen 22 und 23 Uhr Schluss sein, aber die Stimmung war mega geil und niemand wollte nach Hause gehen. Eine Band sagte: „Beim nächsten Song machen wir uns eigentlich immer ein Bier auf und spritzen damit rum, aber der Laden ist so schön, das machen wir heute mal nicht.“ Es geht auch nie etwas kaputt. Es ist noch nie passiert, dass jemand hier Bier verkippt hat oder Sachen geklaut wurden. Der Einzige, der mal Bier über Platten verkippt hat, war ich selbst.“

Offen für neues

Was uns sehr gut gefällt und Sven noch eine ganze Ecke sympathischer macht, als er sowieso schon ist, ist seine Offenheit gegenüber anderen Genres. So erklärt er: „Ich hör nur dies oder das, alles andere ist scheiße…das kann man mit 16 oder 17 machen, aber später doch nicht mehr“. Er hört zu Hause auch viele verschiedene Sachen, wie HipHop, Soul oder auch mal was Elektronisches. Ihm fallen auch immer wieder viele Indie Bands auf, „wo man beim ersten Anhören denkt, oh Gott was ist das denn, aber beim Zweiten mal findet man es richtig geil“.

Auch für Nicht – Hannoveraner interessant

Wer jetzt hoffentlich richtig Bock hat, sich bei Monster Records mal durch das Angebot zu schlängeln, dem sei gesagt… hin da! Dieser Laden ist mittlerweile ein Stück Hannover und gehört fest zur hiesigen Musikszene. Verschiedene interessante Leute und echte Originale treffen sich dort beim Plattengucken. Ganz so wie es in einem Plattenladen sein soll.

Monster Records ist immer Donnerstags, Freitags und Samstags für euch geöffnet. Abweichungen der Öffnungszeiten gibt Sven immer sehr gewissenhaft auf seiner Facebook Seite bekannt. Alle nicht in Hannover lebenden Musikliebhaber und Vinyljunkies können auf seiner Geschäftsseite bei Discogs nach Scheiben suchen und diese auch online bestellen. Ihr müsst also nicht zwingend aus Hannover kommen und persönlich in seinen Laden gehen, auch wenn ich das jedem nur empfehlen kann.

Am Ende unseres Gespräches erinnert sich Sven noch einmal an früher, wie es war, als er in Geschäften wie seinem war. „Plattenladen – Besitzer sind immer so grimmige Typen. Kenn ich noch von früher, die durfte man immer nicht ansprechen.“

Sven ist weit davon entfernt, ein grimmiger Typ zu sein. Er ist ein sehr authentischer, netter Mensch mit einem guten Musikgeschmack, einer eigenen Vision und einer Menge Ehrgeiz und Durchhaltevermögen. Wir wünschen ihm weiterhin alles Gute für die nächsten sechs Jahre und werden Monster Records mit Sicherheit des öfteren mal an einem Samstagnachmittag zum Vinylstöbern besuchen.

Cheers Sven, bistn guter Typ.

Monster Records Facebook

Monster Records Discogs

Einige Fotos wurden von der Monster Records Facebook Seite gemopst, der Rest ist von uns.

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